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Warum sitzt unsere Nationalelf bald auf der Bank?
Die Antwort gibt Professor Raúl Rojas von der
Freien Universität Berlin
Gleich zweimal hintereinander standen sie ganz oben auf dem Treppchen: Die Fußballroboter des Teams "FU-Fighters" der Freien Universität Berlin gehören zu den besten weltweit. Sowohl beim RoboCup in Lissabon 2004 als auch im darauf folgenden Jahr im japanischen Osaka führte "Cheftrainer" Professor Raúl Rojas von der Freien Universität Berlin seine Mannschaft in der Gewichtsklasse der "Small Size League" zum Sieg – eine Bilanz, mit der die kastenförmigen Nationalspieler ihre menschlichen Kollegen vermutlich vor Neid erblassen lassen. Auch in der "Mid Size League" spielen die FU-Fighters ganz vorne mit.
Seit 1997 finden die Weltmeisterschaften im Roboterfußball jährlich statt. Wie Boxer treten die intelligenten Maschinen dabei in verschiedenen Gewichtsklassen gegeneinander an: Die Kleinen sind mit 20 Zentimeter Durchmesser in etwa so breit wie ein Laptop und spielen in der sogenannten Small Size League. Die Spieler der Mid Size League sind etwa vier Mal so groß. In der dritten Klasse, der "Sony Legged League", kicken Sonys Roboterhunde. Die Small-Size-Roboter spielen den Ball zwar nicht ganz so präzise wie ihre größeren Kollegen, dafür bewegen sie sich schnell: 2004 brillierten die von Professor Rojas und seiner Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz entwickelten FU-Fighters auf einem Spielfeld mit schnellem Antritt und hohen Bällen – sogar dribbeln können die mechanischen Ballacks und Schweinsteigers.
Die Technik von Professor Rojas Spielern ist ausgefeilt: Die Kleinen haben sozusagen ein zentrales Gehirn, das in Form eines Rechners über dem Spielfeld sitzt. Anstelle von Augen nehmen zwei Kameras für alle Roboter gemeinsam das Geschehen auf dem Spielfeld in jeweils 30 Bildern pro Sekunde auf. So erfährt der Rechner, wo sich Ball und Spieler gerade befinden und entscheidet in einem komplizierten Prozess, welche Aktionen die Spieler als nächstes ausführen sollen. Über Funksignale sendet dieses elektronische Gehirn dann entsprechende Anweisungen an die Motoren der Roboter. Ganz anders die Mid-Size-Spieler: Sie tragen selbst jeweils eine kleine Kamera mit sich herum, die über einen Spiegel das gesamte Spielfeld einfängt. Mit Hilfe eines Laptops entscheidet jeder Spieler eigenständig, ob er als nächstes eine Flanke schlägt oder den Ball direkt auf das Tor schießt. Um sich untereinander abzusprechen, kommunizieren die Roboter über das drahtlose Funknetz WLAN. Dabei spielen sie genau so wie sie programmiert sind: aggressiv oder fair.
Doch ein bloßes Spiel ist das Ganze nicht. Die internationalen Wettbewerbe sollen den Austausch von technischem Know-How und kreativen Ideen fördern. Schließlich geht es auch darum, intelligente Maschinen zu entwickeln, die in schwierigen Situationen für den Menschen einspringen – etwa in Katastrophengebieten. Dann kommt es darauf an, dass sich die Roboter in einer fremden Umgebung zurecht finden und als Team eng zusammenarbeiten. So ist Roboterfußball ein Laboratorium für die Entwicklung der Service Roboter der Zukunft, die teamfähig, zuverlässig und robust sein müssen – wie Fußballer eben.